Girokonto eröffnen ohne Schufa – was wirklich möglich ist und was nicht

Irgendwann trifft es fast jeden: Man möchte ein Konto eröffnen, und dann kommt die Frage nach der Schufa-Auskunft. Für die meisten ist das eine reine Formalität. Für andere bedeutet dieser Moment, dass ein Antrag abgelehnt wird – manchmal ohne große Erklärung, manchmal mit einem nüchternen Standardschreiben. Was dann folgt, ist oft eine Suche nach Alternativen, die im Internet mit Begriffen wie "Konto ohne Schufa" oder "bonitätsunabhängiges Girokonto" beginnt. Und dort wird es schnell unübersichtlich.

Die Wahrheit ist: Ein klassisches Girokonto mit Dispo und allen Komfortfunktionen ohne jede Schufa-Prüfung – das gibt es bei seriösen Banken nicht. Was es gibt, ist differenzierter und hängt davon ab, was genau in deiner Schufa-Akte steht und was du von einem Konto erwartest.

Was die Schufa eigentlich prüft – und warum das einen Unterschied macht

Die Schufa ist kein monolithisches Urteil. Sie speichert verschiedene Arten von Informationen: laufende Kredite, Zahlungsausfälle, Inkassoverfahren, Insolvenzen, aber auch harmlose Dinge wie die Anzahl deiner Kreditkarten oder ob du kürzlich eine Kontoanfrage gestellt hast. Was eine Bank bei der Kontoeröffnung konkret anfragt, variiert.

Manche Banken führen nur eine sogenannte "weiche" Anfrage durch – die hinterlässt keine Spuren in deiner Schufa-Akte und gibt der Bank lediglich grobe Informationen. Andere machen eine "harte" Anfrage, die für andere Anbieter sichtbar wird und theoretisch deinen Score leicht senken kann. Und wieder andere schauen sich sehr genau an, ob du Negativmerkmale hast: unbezahlte Forderungen, Mahnbescheide, Pfändungen.

Das bedeutet: Wer einen schlechten Schufa-Score hat, aber keine Negativmerkmale (also z. B. wegen vieler Kredite und Karten einen niedrigen Score, aber keine tatsächlichen Ausfälle), hat oft bessere Chancen als jemand mit einem einzigen, aber gravierenden Eintrag. Das ist eine Unterscheidung, die viele nicht kennen – und die erklärt, warum manche trotz "schlechter Schufa" problemlos ein Konto bekommen.

Kurz gesagt: Nicht jede negative Schufa-Situation ist gleich. Die Frage ist immer, was genau dort steht.

Das Basiskonto – Rechtsanspruch, aber kein Freifahrtschein

Seit 2016 gibt es in Deutschland das sogenannte Basiskonto – ein Zahlungskonto, auf das praktisch jeder einen gesetzlichen Anspruch hat, unabhängig von Schufa, Wohnsitz oder Einkommen. Das klingt nach der perfekten Lösung. Und für viele ist es das auch – aber mit erheblichen Einschränkungen, die man kennen sollte.

Das Basiskonto muss von allen Banken angeboten werden, die Privatkundenkonten führen. Du kannst dort Geld empfangen, überweisen, Lastschriften einrichten und eine Debitkarte beantragen. Was du nicht bekommst: einen Dispokredit. Keine Kreditkarte. Keine Kontoüberziehung, nicht mal um einen Euro. Das Konto funktioniert strikt auf Guthabenbasis.

Dazu kommt der Preis. Banken dürfen für das Basiskonto "angemessene" Gebühren erheben – und das tun einige sehr ausgiebig. Monatliche Grundgebühren von 8 bis 15 Euro sind keine Seltenheit, manchmal kommen Transaktionsgebühren on top. Wer also glaubt, das Basiskonto sei eine günstige Notlösung, wird überrascht. Es ist ein Anrecht, kein Schnäppchen.

Trotzdem: Für Menschen mit schwerwiegenden Negativeinträgen oder laufender Insolvenz ist das Basiskonto oft die einzige realistische Option bei einer regulierten Bank. Und das ist besser als nichts – gerade weil ein Girokonto heute für viele Dinge schlicht notwendig ist: Gehaltseingänge, Mietzahlungen, staatliche Leistungen.

Den Antrag stellst du direkt bei einer Bank deiner Wahl. Wird er abgelehnt, kannst du innerhalb von 15 Werktagen Beschwerde bei der BaFin einlegen. Banken müssen eine Ablehnung begründen – und die Gründe, warum sie ein Basiskonto verweigern dürfen, sind Mehr entdecken gesetzlich eng begrenzt.

Alternativen jenseits des klassischen Bankensystems

Neben dem Basiskonto haben sich in den letzten Jahren Anbieter etabliert, die explizit auf Schufa-Prüfungen verzichten oder sie zumindest stark einschränken. Manche davon sind seriös und für bestimmte Situationen sinnvoll. Andere sind es nicht.

Zu den bekannteren Anbietern gehören Prepaid-Konten und sogenannte E-Geld-Konten, die technisch gesehen keine klassischen Bankkonten sind. Anbieter wie Pockit (vor allem im britischen Markt bekannt) oder bestimmte Prepaid-Produkte im deutschen Markt erlauben es, Geld zu empfangen und auszugeben – ohne Schufa. Der Haken: Es sind keine vollständigen Girokonten im rechtlichen Sinne, und viele Funktionen fehlen. Manche Arbeitgeber oder Behörden akzeptieren diese Kontonummern nicht, weil sie keine IBAN im deutschen Bankensystem haben.

Dann gibt es Neobanken wie Vivid Money oder frühere Angebote wie Tomorrow, die eine weiche Schufa-Anfrage durchführen, aber Negativmerkmale unterschiedlich gewichten. Hier lohnt es sich, direkt nachzufragen – viele Anbieter kommunizieren offen, wie sie mit Schufa-Einträgen umgehen. Das ist bei traditionellen Filialbanken seltener der Fall.

Eine oft übersehene Option: Genossenschaftsbanken und Sparkassen vor Ort. Sie haben mehr Ermessensspielraum als große Privatbanken, entscheiden manchmal individuell und kennen lokale Gegebenheiten. Wer dort persönlich vorspricht und offen erklärt, warum die Schufa-Situation so ist wie sie ist, hat gelegentlich mehr Erfolg als mit einem anonymen Online-Antrag bei einer Direktbank.

Was man dagegen meiden sollte: Anbieter, die mit Begriffen wie "Konto ohne Schufa sofort" werben und dafür hohe Einrichtungsgebühren verlangen. Es gibt seriöse Wege, aber keiner davon erfordert eine Vorauszahlung von 50 Euro für ein "garantiertes" Konto. Das ist in der Regel Abzocke – und zielt genau auf Menschen ab, die gerade in einer schwierigen Situation sind.

Praktisch gedacht: Bevor du irgendeinen Antrag stellst, hol dir deine kostenlose Schufa-Selbstauskunft nach Art. 15 DSGVO (nicht die kostenpflichtige "BonitätsAuskunft", die für Vertragspartner gedacht ist – die kostenlose Eigenauskunft reicht vollkommen). Schau, was genau eingetragen ist. Manchmal gibt es veraltete oder falsche Einträge, die du löschen lassen kannst. Ein gelöschter Eintrag öffnet Türen schneller als jeder Umweg über Alternativprodukte.

Die Schufa ist kein Schicksal. Sie ist ein Datensatz – und Datensätze kann man korrigieren, ergänzen und manchmal auch einfach besser verstehen, als man es vorher tat. Wer weiß, was dort steht, kann gezielter entscheiden: Basiskonto, Neobank, persönliches Gespräch bei der Sparkasse, oder doch ein ganz normaler Antrag, weil die eigene Situation besser ist als befürchtet.

Und für alle, die gerade in einer echten Schufa-Notlage stecken – Insolvenzverfahren, offene Pfändungen, mehrere Negativmerkmale: Das Basiskonto ist keine Niederlage. Es ist ein Werkzeug. Eines, das gesetzlich abgesichert ist und das niemand dir verweigern darf.